Hinterlasse einen Kommentar

(Über)leben im Netz

Im Hintergrund läuft die Session zum Jugendmedienschutz auf dem Politcamp 2011 und ich werde richtig wütend beim zuhören.

Zum gefühlt zehntausendsten Mal wird diskutiert, wie Kinder und Jugendliche vor den Gefahren oder respektive den kommerziell oder mißbräuchlich verwendeten Inhalten des Netz geschützt werden könnten. Und wieder werden Fragen zum JMStV bemüht, ohne das klar ist, wer soll wieweit, warum und von wem geschützt werden. Wer trägt die Verantwortung? Ist die Technik das alleinige Heilmittel vor der Technik? Ist das Internet per se schlecht und sollen Politiker mit ihren oft hilflosen und meist wenig kompetenten Ideen zum Netz die einzigen Entscheidungsträger sein?

Kinder müssen entsprechend ihrer noch unfertigen Entwicklung natürlich geschützt werden! Aber es ist ebenso unbestritten, dass die besten Filter für Kinder immer noch Mütter und Väter sind. Und zwar für das gesamte alltägliche Leben des heranwachsenden Kindes, wie später auch die Institutionen Schule, der Hort, Jugendclubs, Vereine… .

5631101649_5b618f092e

Wenn wir alle anfangen, das „Internet“ etwas zu entzaubern und als Teil heutigen modernen Lebens betrachten, dann werden wir feststellen, dass unser Ansinnen nach „Medienkompetenz“ im Sinn des Schutzes für Kinder und Jugendliche viel zu kurz greift.

Kinder sollen vor Mißbrauch von Alkohol und Tabak geschützt werden. Das ist Konsens und darunter kann sich jeder etwas vorstellen. Deshalb gibt es für diese klare Tatsache klare Regeln. Und dennoch werden Kinder mit einer Kippe in der Hand erwischt und dennoch ist das Thema „Komasaufen“ mittlerweile gang und gäbe in den Medien. Hmm?!

Wer würde Gewalt verherrlichen? Trotzdem ist Gewalt gerade unter Kindern und Jugendlichen und ihnen gegenüber leider weit verbreitet. Wir haben eine klare Straßenverkehrsordnung aber auch Raserei, Un- und Todesfälle.

Selbst mit diesem Wissen wollen wir den Umgang mit dem Lebensbereich Internet trotz bereits bestehender sinnvoller Rechts- und Umgangsregeln immer weiter reglementieren und normieren – warum das alles?

Weil das Internet im Vergleich mit den anderen Bereichen unseres Lebens noch relativ neu ist. Weil das Internet breitere Facetten bietet, als manches aus unserer analogen Welt. Weil große Teile unserer Gesellschaft mangels ausreichender Erfahrungen (Gewohnheiten, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen) sich überfordert und hilflos fühlen.

Weil unsere Gesellschaft keine schnellen befriedigenden Antworten auf die Fragen des Umgangs mit dem Internet findet und vor allem, weil die Familie, die Eltern als Filter oder Schutzmechanismen (noch) nicht ausreichend funktionieren und den Familien die Angst vor Abmahnanwälten im Nacken sitzt.

Der beste Schutz unserer Kinder ist, sie stark zu machen, in allen Bereichen ihres Alltages. Ihnen ausreichend Wissen zu vermitteln, ihnen dauerhaft Werte vorzuleben und ihre eigene Meinungsbildung zu fördern. Wenn wir mehr als bisher wieder unsere eigene Verantwortung als „Erziehungsberechtigte“ in Richtung „Erziehungsverpflichtete“ sehen, dann wird sich die sehr spezielle Diskussion zum Jugendmedienschutz im Lauf der Zeit schnell erübrigen.

Das kostet Zeit, Ausdauer, eine eigene verantwortliche und gelebte Lebenseinstellung, Offenheit, Toleranz und Engagement. Gesetze helfen eher schlecht, bessere Menschen aus uns zu machen – es sei denn, wir wollen es selbst und handeln vorrangig selber in diesem Sinn.

Foto: robpatrick unter CC-Lizenz

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: