Ein Kommentar

Plus Minus

Google-

 

Fast drei Wochen ist das Google+ Projekt nun online, in “einer frühen Testphase” und damit nur exklusiv zugänglich für die Early Adopter der Social-Network-Scene und ihre Kreise oder die, die Google halt “reingelassen” hat. Jeder, der ‘Online-Rang und -Namen’ hat, ist wohl schon drin.

Was für einen Hype löste das Erscheinen des neuesten Sozialen Netzwerkes aus. Tausende Posts darüber und gerade anfangs unzählige davon, in denen um eine Einladung zu G+ angefragt wurde. “Wer hat einen Invite für mich?” war das neue “Haste mal ne Mark?”… Twitter und Facebook waren voll von Nachrichten zum neuesten “Großen Ding” und schnell verbreitete sich das Gefühl, dass die Welt untergeht das eigene Online-Ich untergeht, wenn man es nicht schafft, ebenso eingeladen zu werden…

Schwanzvergleiche

Mit Schlagzeilen, die einer unbeliebten überregionalen Klatschzeitung entsprungen sein könnten, wurde G+ gehypt als Facebook-Killer, als Twitter-Killer, Allheilmittel gegen Krebs und für den Weltfrieden. Der Zehn-Personen-Video-Talk ‘Hangout’ war schnell unter den Insidern so beliebt, dass Mark Zuckerberg sich genötigt sah, den Face-to-Face Video-Chat für Facebook nachzuschieben, der natürlich dem Mehr-Personen-Chat aus G+ nicht das Wasser reichen konnte.

Auch die Circles, die nutzerspezifische Einteilung der ‘Freunde’ in Kreise zur differenzierten Informationsweitergabe, ähnlich den Facebook-Gruppen scheint cooler und besser gelungen zu sein. Alles in allem ein neues Soziales Netzwerk in gefälligem Design, spezifischer als der Microblogging-Dienst Twitter und besser strukturiert, als das bisherige teils ungeliebte State-of-the-Art Netzwerk Facebook. Wen wundert es da, dass sich inzwischen weltweit mehr als 10 Millionen Nutzer bereits auf G+ treffen und ihre Profile dort eingerichtet haben.

Fast drei Wochen sind vergangen und Google hat einen Coup gelandet, bei dem die künstliche Zugangsbeschränkung des Online-Riesen dafür gesorgt hat, dass mehr als 10 Millionen Nutzer als kostenlose Publisher Werbung für den neuen Dienst machen, eine erfolgreiche PR-Strategie.

Ich bin noch nicht mit von der Partie und habe G+ bisher ehrlich gesagt auch nicht wirklich vermisst. Ausprobieren werde ich es sicher, später. Meine Twitter-Timeline ist seit der Einführung von G+ etwas ruhiger aber auch übersichtlicher geworden, mit meinem Online-Freundeskreis, meinen Kindern und den Fachkollegen kommuniziere ich weiter via Facebook entsprechend meiner Freundeslisten oder Gruppen und die meisten Menschen aus dem realen Leben um mich herum wissen noch nicht mal, dass es G+ überhaupt gibt.

Und was nun?

Es gibt auch kritische Überlegungen zur Rolle Sozialer Netzwerke und im Detail auch zu Google+. Sind die großen Netzwerke wirklich so alternativlos einflussreich und bedeutend, wie es uns täglichen Nutzern oftmals erscheint, bedingen sie das beschworene Ende der Privatheit?

Google hat schon einige Versuche ähnlicher Art gestartet, um seine Nutzer zu Netzwerken zusammenzuführen. Erwähnt seien die anfangs ebenfalls gehypten Dienste Google Wave und Google Buzz, die sich langfristig aber nicht etablieren konnten. 2004 hatte Google mit Orkut schon ein Netzwerk am Start, das sich aber hierzulande nicht durchsetzen konnte und bis heute in der Beta-Version läuft.

Orkut

In den letzten Tagen gab es immer mal die Nachricht, dass Google+ nun offen sei für alle oder zumindest für die User, die bereits über einen GMail-Account verfügen. Da stellte sich mir die Frage, warum ich mir ggf. noch einen GMail-Account zulegen sollte? Meine bereits vorhandenen empfinde ich als völlig ausreichend und Google sammelt schon genug Daten von mir, wenn ich die Suche benutze, Maps, Google Earth oder mir Videos bei youtube ansehe oder hochlade. Nicht auch noch Mail, Picasa, Blogger, Chrome und und und… Sicher auch ein Grund für mich, diesen Blog mit Posterous zu machen. Meine Daten müssen nicht alle bei einem Mega-Online-Anbieter zusammenlaufen.

Wie zu erwarten, werden nun auch immer mehr kritische Stimmen laut, ob das Bedienen vieler Netzwerk-Accounts noch beherrschbar und sinnvoll ist. Es werden juristische Fragen gestellt und letztlich sichert sich auch G+ die Nutzungsrechte der Online-Inhalte seiner User. Die Aufschreie diesbezüglich bleiben aber aus, sicher auch, weil das neue Netzwerk halt ein probables Spielzeug der Onliner ist. Oder spielt gar Google mit seinen Nutzern?

Muschelschloss

Erst wurden G+ Profile von Blogs oder Firmen gesperrt, da die Nutzungsbedingungen nur private Accounts zulassen, kurz danach folgten auch die Meldungen von Sperrungen privater Accounts, bei denen Nutzer liebgewordene und bereits etablierte Pseudonyme anstatt die geforderten Klarnamen benutzten.

Google macht von Beginn an klar, dass die Terms of Service konsequent durchgesetzt werden oder umgangssprachlich: Wer hier der Koch ist und wer die Kellner sind.

Derzeit praktiziert Google in der Welt seiner Nutzungsbestimmungen die Devise “Sperren statt Löschen” und dies aus Gründen, die den Betroffenen lächerlich und ärgerlich erscheinen mögen. Eine Filterung, jenseits von Netzneutralität – ist das der schleichende Anfang eines immer mehr personalisierten Internets, wie im ElRep bereits als Vision angedeutet? Wo bleibt der kritische Aufschrei der User oder beginnen wir bereits, für neue Gadgets unsere Kreativität und Unabhängigkeit aufzugeben?

Sperrung

Ich werde erstmal abwarten, ob Google+ wirklich so viel Mehrwert bereithält, um mich als Nutzer zu gewinnen. Noch bin ich nicht mit von der Partie und habe G+ bisher auch nicht wirklich vermisst. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt, wirklich wichtige Dinge erreichen mich durch das Teilen der Informationen auch so und ich bleibe vernetzt, in einem Maß, wie es aktuell für mich ausreichend erscheint.

Schöne, bunte Google-Welt – aber vorerst ohne mich!

Update: Steht etwa in Kürze schon das nächste Netzwerk-Release ins Haus? Ich bleibe gespannt…

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Ein Kommentar zu “Plus Minus

  1. Korrekt! ;-)

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